Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt mit MS
Sie sind jung, haben vielleicht gerade den Partner für das Leben gefunden – und nun die Diagnose MS. Leider kommt dies sehr häufig vor, da viele jüngere Menschen von MS betroffen sind. Heißt das nun, dass man die gewünschte Familienplanung ganz über Bord werfen und auf Kinder verzichten muss? Nein, zum Glück ist das nicht so. Auch mit MS kann man eine eigene Familie gründen.
Bevor Sie jedoch ernsthaft über eine Schwangerschaft nachdenken, machen Sie sich klar, welche Belastungen durch den „Familienzuwachs“ auf Sie zukommen werden. Sie sollten sich ganz sicher sein, dass Sie ausreichend Unterstützung und Rückhalt von Seiten der Familie haben.
Im Folgenden beantworten wir einige häufig gestellte Fragen und informieren Sie über wichtige Besonderheiten, die sich durch die MS ergeben.
Ist MS vererbbar?
Nein, direkt erblich ist die MS nicht. Allerdings kann die Veranlagung dazu, MS zu bekommen, vererbt werden. Das Risiko steigt an, wenn beide Partner MS haben. Dies heißt aber wiederum nicht, dass jeder, der die Veranlagung hat, auch wirklich MS bekommt. Dafür spielen auch Umweltfaktoren eine Rolle. Die genauen Wechselbeziehungen zwischen ererbter Anlage und Umwelt sind noch nicht aufgeklärt.
Hat eine Schwangerschaft bei MS besondere Risiken?
Männer und Frauen mit MS können genauso Eltern werden wie Gesunde. Es gibt keine speziellen Risiken, wegen denen MS-kranke Männer keine Kinder zeugen oder MS-kranke Frauen nicht schwanger werden könnten.
Frauen mit MS bekommen genauso häufig ein gesundes Kind wie Frauen ohne MS (ca. 95 %). Die Schubhäufigkeit scheint während der Schwangerschaft eher abzunehmen. Die meisten Frauen fühlen sich in dieser Zeit sogar ausgesprochen wohl. Allgemeine Schwangerschaftsprobleme, wie zum Beispiel Blasenbeschwerden, treten auch bei gesunden Frauen auf, wenn bei fortgeschrittener Schwangerschaft das Kind auf die Blase drückt. Dies kann bei Frauen, die schon vorher eine Blasenschwäche hatten, ausgeprägter sein.
Was ist bei der Planung der Schwangerschaft zu beachten?
Nicht jeder Zeitpunkt ist günstig für eine Schwangerschaft. Es ist ratsam, eine geplante Schwangerschaft mit Ihrem Frauenarzt und Ihrem Neurologen zu besprechen. Der letzte Schub sollte längere Zeit zurückliegen. Frauen mit einer sehr hohen Schubfrequenz sollten zunächst lieber abwarten, ob sich diese durch geeignete Medikamente verringern lässt, da sonst die Gefahr eines Schubes in der Schwangerschaft zu groß ist.
Da einige Substanzen, die in der MS-Behandlung eingesetzt werden, das Ungeborene schädigen können, müssen manche Medikamente längere Zeit vor Beginn einer Schwangerschaft abgesetzt werden.
Was ist bei der Planung der Geburt zu beachten?
- Nehmen Sie unbedingt alle Vorsorgetermine wahr und setzen Sie sich frühzeitig mit der geburtshilflichen Klinik in Verbindung, in der Sie entbinden wollen. Von einer Hausgeburt wird Frauen mit MS abgeraten.
- Informieren Sie den Arzt und die Hebamme, die Sie während der Geburt betreuen werden, über Ihre MS. Hinterlegen Sie bei Ihrem Frauenarzt und in der Klinik auch die Kontaktdaten Ihres Neurologen.
- Frauen mit Sensibilitätsstörungen im Unterleib müssen sich besonders gut selbst beobachten und auch am Ende der Schwangerschaft eng vom Frauenarzt überwacht werden, da sie eventuell den Beginn der Wehentätigkeit nicht so gut spüren.
- Besprechen Sie in der Klinik auch die Möglichkeiten der Schmerzbehandlung bei einer natürlichen Geburt. Insbesondere eine Periduralanästhesie (Rückenmarksbetäubung) sollte vermieden werden, da sie mit MS-Schüben in Verbindung gebracht wird.
- Bei Frauen ohne größere Funktionseinschränkungen verläuft die Geburt meist ganz normal. Bei Frauen mit ausgeprägter Muskelschwäche oder Spastik in den unteren Extremitäten kann die Geburt erschwert sein. In diesen Fällen kann ein Kaiserschnitt geplant werden.
- Nach der Entbindung kann es vorübergehend zu einer Erhöhung der Schubrate kommen. Experten nehmen dafür die hormonelle Umstellung als Ursache an. Idealerweise sollte daher sofort nach der Entbindung die Behandlung mit Ihrer bisherigen Basistherapie wieder beginnen. Allerdings sollten Sie dann Ihr Baby nicht stillen.
Stillen oder nicht?
Ob das Stillen Einfluss auf den weiteren Verlauf der MS hat, ist bislang unbekannt. Negative Auswirkungen sind wohl nicht zu befürchten. Deshalb plädieren Ärzte auch bei MS-Patientinnen eher für das Stillen, sofern diese einen relativ milden Verlauf der MS haben und Medikamente zur Schubprophylaxe nicht zwingend einnehmen müssen. Natürlich bedeutet das Stillen auch eine zusätzliche Belastung für den Körper der Mutter. Es muss also jeder für sich selbst entscheiden, ob die Ernährung mit der Flasche eventuell weniger anstrengend und kräftezehrend ist.
In den ersten 6 Monaten nach der Entbindung nimmt die Schubhäufigkeit vorübergehend zu. Dies ist kein Grund zur Sorge, da gewöhnlich die Aktivität der MS dann wieder auf das Niveau von vor der Schwangerschaft zurückgeht. Wenn Sie schon vor der Schwangerschaft Medikamente zur Schubvorbeugung eingenommen haben, dann bietet sich die Möglichkeit, mit der Schubprophylaxe unmittelbar nach der Entbindung wieder zu beginnen. Allerdings können Sie das Kind dann nicht stillen und müssen mit der Flaschennahrung beginnen.