Sport und Fitness bei Multipler Sklerose (MS)
In zahlreichen Studien wurde nachgewiesen, dass Bewegung und Sport nicht nur bei Gesunden, sondern auch bei MS-Kranken vielfältige positive Wirkungen auf die Lebensqualität haben. Man muss sich nur einen Ruck geben und selbst aktiv werden.
Sport ist wichtig für Ihr Wohlbefinden, weil
- körperliche Funktionsstörungen ausgeglichen werden (Verbesserung der Koordination, Normalisierung von Herz-Kreislauffunktion, Blutdruck, Blutzucker usw., Gewichtsreduktion, Stabilisierung des Immunsystems).
- Folgekomplikationen vorgebeugt wird (Verspannungen, Muskelschwäche, Kontrakturen mit Fehlstellungen der Gelenke, Thrombosen, Osteoporose usw.).
- Sie sich im Alltag sicherer fühlen, eventuell auch im Gebrauch von Hilfsmitteln, wie einem Rollstuhl.
- Sie unter „die Leute“ kommen und sich nicht nur mit sich und Ihrer Krankheit beschäftigen.
- Ihr Selbstwertgefühl durch Erfolgserlebnisse wie das Erreichen sportlicher Ziele gestärkt wird.
- Ihre Lebensqualität durch aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben gestärkt wird.
Schwitzen beim Sport
Schwitzen kann für etwa zwei Drittel der MS-Kranken sehr unangenehm sein. Der Körper reagiert mit einer Verschlechterung der Leitfähigkeit der Nervenfasern, die zu einer Verstärkung bestehender neurologischer Symptome führt („Pseudoschub“). Diese vorübergehende, temperaturabhängige Verschlechterung nennt man Uhthoff-Phänomen. Sie darf nicht mit einem echten MS-Schub verwechselt werden. Die Symptome gehen nach Abkühlung, z. B. durch eine kühle Dusche oder eine spezielle Kühlweste, rasch zurück. Für MS-Kranke, die unter einem ausgeprägten Uhthoff-Phänomen leiden, sind Sportarten in kühlerer Umgebung, z. B. Schwimmen, zu empfehlen.
Trainingstipps:
- Beginnen Sie immer mit leichten Aufwärmübungen.
- Halten Sie die Trainingseinheiten so kurz, dass Sie sich noch wohlfühlen. Sobald Sie müde werden, ruhen Sie sich aus.
- Nach dem Training sollten Sie sich entspannen. Haben Sie sich nach spätestens einer Stunde nicht erholt, haben Sie sich möglicherweise überanstrengt. Reduzieren Sie dann Ihr Trainingspensum entsprechend und sprechen Sie gegebenenfalls mit Ihrem Arzt.
- Trinken Sie ausreichend.
- Halten Sie für den Fall der Überwärmung Kühlelemente bereit.
- Vermeiden Sie körperliche Anstrengung im Freien bei hohen Außentemperaturen.
Welche Sportarten sind bei MS geeignet?
Allgemein bieten sich für Menschen mit MS verschiedene Möglichkeiten an, je nach Leistungsfähigkeit bzw. Behinderungsgrad, sportlich aktiv zu sein:
Breitensport: Breitensport kann von MS-Kranken auch in normalen Sportvereinen, gemeinsam mit Gesunden, betrieben werden. Teilen Sie dem Trainer jedoch unbedingt mit, dass Sie unter MS leiden. Dann wird er eher auf Ihre Leistungsgrenzen Rücksicht nehmen und gegebenenfalls eine Übung vorzeitig beenden. Leistungsport mit hartem Training ist für MS-Kranke nicht geeignet.
Sport während eines Schubes: Im Schub sollten Sie auf sportliche Aktivitäten verzichten. Lediglich die Übungen, die der Physiotherapeut mit Ihnen durchführt, sind weiterhin sinnvoll.
Reha-Sport: Besonders ausgebildete Sporttherapeuten wählen gezielt Übungen und Belastungsgrad für jeden einzelnen Teilnehmer aus. Besonderer Wert wird dabei auf eine ganzheitliche Betrachtung gelegt, so dass auch pädagogische, psychologische und soziale Aspekte mit einbezogen werden. Reha-Sportgruppen stehen unter ärztlicher Betreuung.
Sport kann helfen, bestimmte Symptome der MS zu lindern oder deren Auftreten vorzubeugen. Die Tabelle gibt eine Übersicht über geeignete Sportarten.
| Spastik Erhöhte Muskelspannung, die durch fehlerhafte Übertragung der Nervenimpulse aus den geschädigten Nerven auf die Muskulatur entsteht. |
Im Vordergrund stehen Dehnübungen, passives und aktives Bewegen, Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts und der Koordination. Geeignete Sportarten sind u. a. Tanzen, Aerobic, Walking, Yoga, Tai Chi, Schwimmen, Reiten, Golf. |
| Ataxie Störungen der Feinmotorik und der Bewegungskoordination, z. B. beim Schreiben, Essen usw. |
Trainiert werden rhythmische Bewegungen, Koordination, Gleichgewicht, Ausdauer, Kraft für Rumpf und Arme. Geeignete Sportarten sind u. a. Nordic Walking, Tanzen, Gymnastik, Schwimmen, Reiten, Bogenschießen, Tai Chi, Yoga, Kanufahren und Golf. |
| Paresen Lähmungserscheinungen in einzelnen oder mehreren Extremitäten. |
Besonderer Wert wird auf die Kräftigung der Rumpfmuskulatur und der Arme gelegt, außerdem auf Bewegungskoordination und Gleichgewichtstraining. Geeignete Sportarten sind Aerobic, Bogenschießen, Nordic Walking, Schwimmen, Golf, Yoga, Tai Chi und Reiten. |
| Tremor Zittern, überwiegend der Hände, das meist bei gezielten Bewegungen auftritt, z. B. wenn man ein Glas greifen möchte. |
Tremor ist leider durch Sport kaum zu verbessern. Es gibt Hinweise, dass Tauchen eine positive Wirkung haben könnte. |
| Fatigue Überdurchschnittliche Ermüdbarkeit bei körperlicher oder geistiger Aktivität. |
Trainiert werden soll vor allem die Ausdauer. Geeignete Sportarten sind alle Ausdauersportarten wie z. B. Aerobic, Wandern, Inlineskating, Nordic Walking und Schwimmen. |
| Kognitive Symptome Störung höherer geistiger Leistungen wie Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnis. |
Trainiert werden kann vor allem die Konzentration. Geeignete Sportarten sind u. a. Aerobic, Feldenkrais, Qigong, Tai Chi, Yoga, Bogenschießen und Golf. |