MS-Therapie: Wann beginnen und wie lange behandeln?

Die Langzeittherapie der MS verlangsamt die Zunahme der Beschwerden und ermöglicht so in vielen Fällen einen nahezu normalen Alltag.
  •  
  •  

Die Mehrheit der Experten ist sich heutzutage darüber einig, dass die Basistherapie einer MS so früh wie möglich einsetzen sollte – unter Umständen schon im Falle eines klinisch isolierten Syndroms (KIS). Der Grund dafür ist die Tatsache, dass sich in den meisten Fällen bereits umfangreiche entzündliche Veränderungen im Gehirn abspielen, ohne dass die Patienten dies merken („Eisberg-Prinzip“, s. u.). Wenn sich nun die Entzündungen im Gehirn weiter entwickeln können, besteht das Risiko, dass sich der Krankheitsverlauf auf Dauer verschlimmert. Bei einem frühzeitigen Beginn der Behandlung kann die Zahl der Schübe schon im frühen Verlauf der Erkrankung reduziert werden. Außerdem können auch der Übergang in das sekundär fortschreitende Stadium (SPMS) und die Zunahme des Behinderungsgrades verzögert werden.

Je früher man mit der Behandlung der MS beginnt, desto langsamer nimmt der Behinderungsgrad zu.

Wahrscheinlicher Behinderungsgrad in Abhängigkeit vom Therapiebeginn

Wie lange sollte die Behandlung fortgeführt werden?

Da es sich bei der MS um eine chronische und lebenslange Erkrankung handelt, ist die Basistherapie eine Langzeittherapie. Wichtig für eine dauerhafte und langfristige Wirkung ist vor allem die kontinuierliche Gabe – es empfiehlt sich, dabei zu bleiben! Manchmal werden wahrscheinlich Gedanken hochkommen wie „Brauche ich das wirklich?“, insbesondere wenn es Ihnen unter der Behandlung gut geht. Sie sollten bedenken, dass gerade die Behandlung der Grund sein könnte, warum lange keine Schübe oder keine anderen Beschwerden aufgetreten sind. Nach Absetzen der Medikamente würden die Beschwerden wahrscheinlich wiederkommen und zu neuen Problemen führen.

Lediglich den akuten Schub zu behandeln, reicht nicht aus. Wie das „Eisberg-Prinzip“ (siehe Abbildung) verdeutlicht, kann die Erkrankung auch zwischen den Schüben aktiv sein. Der Entzündungsvorgang kann auch ohne erkennbare Symptome bzw. Schübe weiter voranschreiten. Eine Langzeittherapie kann diesen Prozess verlangsamen, die Zahl der Schübe vermindern und das Fortschreiten der Behinderung deutlich verzögern.

Das Eisbergprinzip veranschaulicht, dass auch in der schubfreien Zeit der MS eine hohe Entzündungsaktivität im Nervensystem vorhanden ist — der MS-Kranke spürt dies jedoch nicht.

Das Eisberg-Prinzip: Aktivität der MS bei Schüben und in der schubfreien Zeit

[1] Behandlungsleitlinie der DGN: Diagnostik und Therapie der Multiplen Sklerose. 2008. http://www.dmsg.de (zuletzt besucht: 28.01.2011)