Schübe und Pseudoschübe bei Multipler Sklerose (MS)
Man spricht von einem Schub, wenn Symptome bzw. Nervenfunktionsstörungen auftreten, die länger als 24 Stunden anhalten und nicht durch andere Ursachen erklärt werden können (z. B. durch Infektionen, Erhöhung der Körpertemperatur s. u.). Diese Symptome können sehr verschieden ausgeprägt sein, je nachdem, wo sich gerade ein Entzündungsherd im zentralen Nervensystem befindet. Es können dabei entweder neue Symptome auftreten oder vorhandene Symptome in verstärkter Form. Die Symptome bessern sich meist nach einigen Tagen oder Wochen (man spricht auch von Remission). Damit zwei Schübe als separat voneinander betrachtet werden können, muss deren Beginn mindestens 30 Tage auseinander liegen.
Was kann einen Schub auslösen?
Extreme Belastungen können einen Schub auslösen. Dazu gehören anhaltender psychischer oder emotionaler Stress und akute fieberhafte Infekte. Allgemein gilt zur Vorbeugung daher das, was auch Gesunde beherzigen sollten: extreme Situationen meiden, sich vor Infektionen schützen und eine gemäßigte Lebensführung mit ausreichend Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten, gesunder Ernährung, Vermeidung von Stress sowie das Finden einer persönlichen Balance im Alltag.
Schub oder Pseudoschub?
Von den „echten“ Schüben zu unterscheiden sind so genannte Pseudoschübe: Dabei können sich bestehende Beschwerden vorübergehend verschlechtern. Ein Beispiel ist das so genannte Uhthoff-Phänomen, das durch eine Erhöhung der Körpertemperatur (z. B. Fieber, Saunabesuch) ausgelöst wird. Es wurde erstmals 1890 vom Augenarzt Wilhelm Uhthoff beschrieben, der bei MS-Patienten eine vorübergehende Minderung der Sehschärfe nach körperlicher Anstrengung beobachtete. Ursache für das Uhthoff-Phänomen ist eine Verschlechterung der Leitfähigkeit der vorgeschädigten Nerven durch die erhöhte Körpertemperatur. Wird die Körpertemperatur wieder gesenkt, bilden sich die Symptome vollständig zurück [1].